Willkommen in der Evangelischen Kirchengemeinde Finowfurt

AN(GE)DACHT...

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
Denn in ihm leben, weben und sind wir.“

Apg 17,27 – Monatsspruch Juli 2021

 

Liebe Gemeinde, liebe Freundinnen und Freunde unserer Kirchengemeinden, was brauchst du...

was brauchst du? einen Baum ein Haus zu ermessen
wie groß wie klein das Leben als Mensch
wie groß wie klein wenn du aufblickst zur Krone
dich verlierst in grüner üppiger Schönheit
wie groß wie klein bedenkst du wie kurz
dein Leben vergleichst du es mit dem Leben der Bäume
du brauchst einen Baum du brauchst ein Haus
keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach
zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen
zu schreiben zu schweigen zu sehen den Freund
die Gestirne das Gras die Blume den Himmel

(© Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1992; Aus: Notizen auf einem Kamel. Gedichte 1991 – 1996, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 1996)

Was brauchst Du? So fragte die großartige und jüngst leider verstorbene Friederike Mayröcker einst in diesem wunderbaren Gedicht. Friederike Mayröcker hat von sich selbst gesagt, dass sie Bilder in Sprache übersetzt, indem sie hineinsteigt in ein Bild, solange, bis es Sprache wird.
Auch Paulus durchsteigt im Spruch des Monats Juli ein Bild eindrucksvoll: Gott ist nicht fern einem/r jedem/n von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir – so ist sein Bild. Paulus war von Beruf Tuchmacher, kannte sich also aus mit Geweben. Auch mit jenem Gewebe, was wir in aller Regel „unser Leben“ nennen. Auch dieses Gewebe hat Struktur, Farbe, Form, Beschaffenheit, Eigenschaften, Fühlbarkeit, manchmal auch einen Webfehler oder aber einen Riss, oder ist längst von Motten angefressen...
Über 14 Monate in dieser Pandemie haben viele angefangen, zu fragen: Was brauchst Du? Was brauchst Du wirklich? Was kann weg, was soll wieder her?
Wir alle suchen noch nach Antworten. Die einen wollen möglichst genau dahin zurück, wo wir herkommen. Andere haben längst begriffen, dass Vieles anders werden muss, wenn wir auf dieser Erde noch eine Zukunft haben wollen. Noch mehr Menschen scheuen es jedoch, sich auf diese neue Zeit mit all den Veränderungen und Umbrüchen einzulassen; wirklich einzulassen.
Mich beruhigt der Gedanke, den Paulus zum Bild werden lässt: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.
Niemand muss auf Gottes Anwesenheit verzichten, denn er will sich finden lassen (vgl. Jeremia 29,13-14a). Manchmal muss man dafür in ein Bild förmlich hineinsteigen. Bis es eindrucksvoll und klar wird, was dieser oder jener Satz meint und mit mir zu tun hat. So machen es uns Friederike Mayröcker und der Apostel Paulus vor.
Gott ist nicht ferne. - Gehen Sie/ geht Ihr in diesen Sommer hinaus und steigt in Bilder hinein, die diesen Satz mit Leben erfüllen, ihn fassbar machen. Bilder die Euch begegnen oder die Euch einfallen. Setzt Euch irgendwo hin und entdeckt die üppige Schönheit des Allumfassenden. Entdeckt Gott in euch, denn in ihm leben, weben und sind wir.
Mehr braucht es nicht.
Bleiben Sie/ bleibt Ihr sommerlich behütet!

Ihr/ Euer Ulf Haberkorn

 

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